Bienvenido, bebé… Ein etwas anderer Geburtsbericht!

Wie im vorherigen Post beschrieben, gab es ja den einen oder anderen mexikanischen Umstand, der dafür sorgte, dass die dritte Schwangerschaft gefühlt wesentlich länger dauerte als normal. Aber die Geburt selber ist wirklich noch mal eine (mexikanische) Geschichte für sich…

Während die zweiten Kinder in der Regel schneller auf die Welt kommen als die ersten, stößt man hinsichtlich der dritten Schwangerschaft ja auf widersprüchliche Angaben.
Das Kind kann schneller, langsamer oder halt “normal” kommen.
Die diplomatische Aussage meiner mich (bereits seit China) per WhatsApp betreuenden Hebamme aus Deutschland:
Alles wird gut beim Dritten!

Während der gesamten Schwangerschaft begleiteten mich daher eigentlich nur zwei Gedanken: Wenn der Göga bei Geburtsbeginn in der Nähe wäre, wär’ das mal ganz fantastisch!! – Bei einem Arbeitsweg von über einer Stunde plus ständigen Verkehrsstaus, ein nicht unberechtigter Gedanke, oder?
Und: Hauptsache, die Kinder sind gut aufgehoben!
(Nur als Einschub am Rande. In China war es: Hauptsache, das Kind kommt nicht irgendwo auf einer Pekinger Straße im Stau zur Welt…) 

Am Tag der Tage – es war ein Samstag und der Göga war praktischerweise Zuhause! Puuuh… – teilte ich meinem Arzt am Morgen wiederum per WhatsApp Nachricht mit, dass sich was tut. (Wie haben die Menschen eigentlich vor Erfindung dieser App gelebt und überlebt?!)

Weil der Arzt nichts dem Zufall überlassen wollte, sollte ich ihn am Nachmittag um 16.00 Uhr im Krankenhaus für einen Check Up treffen.
Ich ahnte schon, dass ich den Abend nicht Zuhause verbringen würde – nicht unbedingt, weil der Nachwuchs besonders schnell kommen wollte, sondern eher wegen dem Arzt. Und siehe da. Trotz noch fehlender Wehenschmerzen wurde ich anschließend gleich im Krankenhaus dingfest gemacht.

Ich beglückwünschte mich daher zu der guten Entscheidung, der Freundin, die auf die Kinder aufpasste, gleich die Schlafsachen mit in die Hand gedrückt zu haben.

Und so ging es dann weiter:
Die folgenden Stunden saßen wir im Krankenzimmer ab, ausgestattet mit Bett, Sofa, Fernseher und DVD-Player. Nicht aber mit Gegenständen, die etwa bei einer natürlichen Geburt hilfreich sein könnten… (Wir erinnern uns: Natürliche Geburt muss doch nicht sein, wenn es Kaiserschnitt gibt, gell!?)
Also lief ich immer schön meine Runden im Kreis und wir beobachteten, wie sich das erste Gewitter der Regensaison zusammenbraute, die Stadt von Blitzen erhellt wurde und einen ordentlicher Regenguss sie von Hitze und Staub befreite. Unter denen hatte ich in den letzten Wochen besonders gelitten…

Gegen 21.30 Uhr (zwischenzeitlich mit schon ein bissel Aua) stellte mir mein Gyn die Kinderärztin vor, mit der er zusammen arbeitete bzw. die dann nach der Geburt das Baby betreuen sollte.

Die bekommt ‘n extra Passus – sah nämlich so aus:
Plateau-High-Heels, weißes hautenges Cocktailkleid, streng nach hinten gekämmte Haare zum Zopf gebunden, perfekt geschminkt, Schmuck und Handtasche sitzen.

Wenn die ‘n extra Absatz bekommt, dann ich auch:
Krankenhaus-Frottee-Puschen, hässliches mit blauen Kringeln versehenes KH-Nachthemd, Haare unordentlich hochgeknubbelt, Schminke (aka Wimperntusche) war mal, Schmuck und Handtasche… hä?!?

Gegen 23.00 Uhr – mittlerweile mit eifriger Wehenaktivität – stellte sich die Anästhesistin vor: 
High-Heels, Hosenanzug, streng nach hinten gekämmte Haare zum Zopf gebunden, perfekt geschminkt, Schmuck und Handtaschen sitzen!

Ca. um 23.01 Uhr:
UMMMMMMM!!!
Göga streicht Marge, äh Buntlocke beruhigend über den Rücken.

Gegen 23.30 Uhr bekam ich eine PDA gelegt.
Leider kam bei den vorherigen Geburten die Plazenta nie von selbst, daher hatte ich nach der ersten Geburt eine Vollnarkose, damit diese entfernt werden konnte. Bei der zweiten und dritten wurde daher gleich per sé eine PDA gelegt, um das Rauspuhlen der Plazenta hinterher zu erleichtern bzw. eine erneute Vollnarkose zu vermeiden. Dank derer, habe ich doch die wertvollen ersten Momente nach der Geburt unseres ersten Sohnes verpasst!
PS. Bei der Gelegenheit hab’ ich auch gleich erleben dürfen, dass PDA nicht gleich PDA ist…

Ca. 24.00 Uhr:
Los geht’s! Mexikaner will raus!!
Also wurde ich samt Krankenhaus-Bett und unter mehrfacher “Mitnahme” diverser Türrahmen und Krankenhaus-Ecken in einen anderen Raum geschoben… einen sterilen OP!

Entdeckung/ Erleichterung Nummer 1: Die Kinderärztin und Anästhesistin trugen total unförmige OP-Kleidung und wirkten nun wie ganz normale Menschen!
(Ok, die verdammte Wimpernverlängerung sah immer noch gut aus!!)

Entdeckung/ Schock Nummer 2: Mitten im Raum stand eine OP-Pritsche, gefühlte 15 cm breit, völlig flach und ausgestattet mit Steigbügeln bis an die Decke.

Ca. 24.02 Uhr: Der Muttermund war vollständig geöffnet und ich hatte Presswehen ohne Ende. Jedoch…
Buntlocke fängt an zu diskutieren! SO geht kein Kind raus! Bitte unverzüglich (das heißt ahorita!!) die Steigbügel weg und die Rückenlehne hoch!

Und wo ist überhaupt der Göga?!?

Ca. 24.05 Uhr: Spottete völlig vermummten mit einer Canon Kamera in der Hand: Aaah! Da ist er ja!

Entdeckung Nummer 3: Wieso hat die Kinderärztin eine Kamera auf dem Kopf? Und wieso ist eine weitere hinter mir installiert?

Vielleicht aus Sicherheitsgründen?? Wir sind schließlich in Mexiko! (Nichts für ungut!) – *preeeeeesssss*

Auf meine Rückfrage hin (jede noch so schlimme Presswehe hat ja mal ein Ende) bekam ich zur Antwort: Das machen wir immer so! Die DVD gibt es dann danach als Geschenk!

[…]

Unwesentlich später: Der Mexikaner erblickte das Licht der Welt!

Alles dran und gesund!

Einige Zeit später: 
Ich fragte: Um wie viel Uhr kam er denn nun?

Daraufhin erfolgte allgemein hektisches Umhergucken und schließlich der Blick auf die Uhr: Ja, äh es ist jetzt 0.25 Uhr – also um 0.25 Uhr geboren!

[…]

Hab ich schon erwähnt, dass er gesund und alles dran ist?? Also, was will man mehr!?
Auch die Angaben hinsichtlich Größe und Gewicht sind etwas verdreht worden. Zumindest haben wir auf den Dokumenten der Ärzte andere Angaben als auf den Fotos vom Wiegen etc., die der Vermummte mit der Canon Kamera geschossen hat…

Im Nachhinein wirkt vieles natürlich immer um einiges harmloser, als wenn man mittendrin steckt. Zurückblickend hab ich mich von meinem mexikanischen Arzt bei der für Mexiko unnatürlichen natürlichen Geburt sehr gut aufgehoben gefühlt. Jedoch, die Geburt in China, war die Beste für mich! Ja, richtig gelesen – nicht die in Deutschland…
Es gibt Dinge, die sind eben im Ausland besser.

Eure Buntlocke

PS. Oh Moment! Ich habe ja noch etwas vergessen. Eines muss ich Euch noch zeigen…
Bäuche nach der Geburt schön natürlich hängen lassen is’ nicht in Mexiko! Die werden mal eben fix weggebunden!

Und satt essen nach langer Geburtsquälerei is’ auch nicht…
Das Frühstück besteht hier aus ‘nem Appetizer!

Ob das irgendwas mit den hautengen Cocktailkleidern und Hosenanzügen zu tun hat? Ich werde es wohl nie erfahren…
Gracias a Dios, das Krankenhaus hatte einen Starbucks direkt am Eingang!

 

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4 Kommentare auf "Bienvenido, bebé… Ein etwas anderer Geburtsbericht!"

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