Schwangerschaft in Mexiko… – Es un barón!

Es un barón!
What? Ich meine… Qué?? – Achso! …es wird ein Junge!

Es gibt Themen, die prädestiniert sind, um darüber Bücher zu schreiben… Schwangerschaft und Geburt im Ausland gehören ganz sicher dazu.
Da ich mir jedoch das Bücherschreiben für’s nächste Leben vorgenommen habe, wird es erst mal nur ein Blog-Eintrag…

Einen kurzen Abriss über die Geburt unseres kleinen Mexikaners hatte ich ja bereits schon einmal über Instagram gegeben, aber ein bisschen mehr drum herum gibt es da schon noch zu erzählen.

Und los geht’s mit dem altbekannten Spruch:
Andere Länder, andere Sitten!
Da meine dritte Schwangerschaft bereits die zweite im Ausland war, kann ich diesen mal wieder einfach nur bestätigen. 

Aber wieso eigentlich drei Kinder?

Im Dezember 2012 brachte ich im winterlichen Peking meine frisch geborene Tochter nach Hause und legte sie neben meinen damals 3,5 Jahre alten Sohn auf den Boden. Voller Freude und Liebe stürzte er sich auf sie und schlagartig wurde mir klar, dass noch jemand fehlte.
Das Bild, welches sich mir da bot, war noch nicht rund. Irgendjemand saß noch auf der Wolke mit unserem Namen und wartete auf Abruf.
So einfach war das…

3 Jahre später sollte es soweit sein. In Mexiko. Bereits bei der ersten Feindiagnostik, also in der 12. SSW, wurde uns gesagt, dass ein weiterer Sohnemann unser Familienglück komplett machen sollte.
Es un Baron! Ganz eindeutig!
…ganz eindeutig? In der 12. SSW??
– Sí, sí!
– Okeeeey…!

Aber was bedeutet Schwangersein im Ausland?

Letztlich ist es ja egal, wo man schwanger ist. Jedoch einige Dinge laufen eben anders ab, als man es aus Deutschland kennt (- w e n n  man es aus Deutschland kennt…).
So ist hier bei den Untersuchungen immer eine Schwester anwesend und Ultraschall wird selbst in der Frühschwangerschaft vom Bauch aus gemacht. Wenn mal “unten rum” untersucht wird, dann trägt Frau einen Untersuchungskittel und deckt sich obendrein noch mit einer Decke zu.
Für Blutabnahme und Becherpinkeln muss ein gesondertes Labor aufgesucht werden, was natürlich wieder Unmengen an Extrazeit in Anspruch nimmt. Außerdem werden einem teilweise Medikamente zur Prävention von Dingen empfohlen, bei denen gar kein konkretes Risiko besteht.
Und, bei jedem Arztbesuch bekam ich erzählt, wer denn nun wieder Deutsches schwanger war… #halloärztlicheschweigepflicht #?

Glücklicherweise verlief meine dritte Schwangerschaft grundsätzlich genauso komplikationslos wie die anderen zwei zuvor.
5 Dinge jedoch waren auslandstechnisch anders und blieben mir in besonderer Erinnerung.

Nummer 1
Ich wechselte noch in der Frühschwangerschaft den Arzt. Denn dieser war so erfreut über zahlreiche deutsche “Kundschaft”, dass er (wie oben erwähnt) immer mal wieder aus dem Nähkästchen plauderte. Da ich Bange hatte, er würde auch noch die Ergebnisse des Pap-Abstriches von diversen deutschen Mitpatientinnen mit mir erörtern, suchte ich mir lieber einen anderen Arzt. Was gar nicht so leicht war! Aber wer suchet, der findet…
Und dieser neue (mit keiner einzigen deutschen Patientin außer mir) hatte sogar ein Labor mit drin! Nur hat er mich nie in einen Becher pinkeln lassen… Vielleicht werden Urinproben ja auch überbewertet?

Nummer 2 
Zum Ende des 3. Monats hatte ich einen kleinen Schwächeanfall im Supermarkt!
Mit dabei meine damals gerade 3 Jahre alt gewordene Tochter, die aufgrund einer Erkältung nicht im Kindergarten war.
Ich sah das Unglück schon kommen und merkte wie es im Nacken kribbelte und mir der kalte Schweiß ausbrach. 

Also teilte ich meiner im Einkaufswagen sitzenden Tochter mit, dass ich mich mal kurz auf den Boden setzen würde, aber sie sich keine Gedanken machen müsste. Gesagt getan. Mitten im mexikanischen Supermarkt saß ich auf dem Boden und hielt den Kopf nach unten, damit mir das Blut nicht noch weiter absackte. 
Natürlich hatte ich innerhalb weniger Sekunden eine Traube örtlicher Landsleute um mich rum.
Das Beste: in so gut wie jedem Supermarkt gibt es eine Apotheke. Also kam da gleich mal einer ganz professionell mit Rollstuhl, einer Flasche Wasser und Pulsmessgerät aus derselbigen Abteilung angerannt. Genau die Art Aufruhr, die man sich wünscht, wenn man kein Aufsehen erregen will…

Um es abzukürzen. Ich überlebte und wir fuhren kurze Zeit später mit den Einkäufen nach Hause.
Aber ein komisches Gefühl war das schon erst mal… Vor allem als ich gefragt wurde, ob sie jemanden für mich anrufen könnten.
Da dachte ich nur… Ja, meinen Mann! Aber ob der ans Telefon geht? Ob der eine Hilfe ist, da über eine Stunde entfernt? Außerdem konnten 10 Minuten Ausruhen doch eigentlich auch alles schon wieder richten… 

Nummer 3
Das Thema natürliche Geburt ist hier so eine Sache. Ab Mittelklasse bis oberer Schicht wird ein Kaiserschnitt der natürlichen Geburt vorgezogen. Hinzu kommt, dass ich mit 1,82 m und der Göga mit 1,94 m Körpergröße, keine Zwerge machen können. So waren die Ärzte etwas beunruhigt wegen dem großen “Bebé” in meinem Bauch – was wohl daran liegt, dass mexikanische Babys mal gut 10 cm kleiner und normalerweise einiges unter 3.000 gr wiegen.

Meine, wie ich finde, Durchschnittsbabys mit um die 56 cm Körperlänge und ca. 3.800 gr Gewicht, haben ja aber bereits in Deutschland und China den Weg nach draußen gefunden. Warum also soll das in Mexiko nicht funktionieren?! Oder kommt der kleine Deutsch-Mexikaner hier vielleicht mit Sombrero auf die Welt???
Der Feindiagnostiker meinte doch dann tatsächlich während des letzten Screenings zu mir: Das Schlimmste was mir bei einem Kaiserschnitt passieren könnte, wäre… Ein gesundes Baby zu bekommen! – Tadaaa! So einfach ist das! Oder doch nicht?
Keine Frage, der Typ ist pro Kaiserschnitt!

Nummer 4
Zusammen mit einer anderen mitschwangeren Mexikanerin, bekam ich eine Baby-Shower-Party geschmissen. Das war mal was ganz Neues für mich. Und wenn die Mexikaner was können, dann sicherlich Partys schmeißen…

Die 2 wesentlichsten Unterschiede zwischen der mexikanischen Mitschwangeren und mir waren:
Auf dem Party-Button an der Brust der Mexikanerin stand: Mama von Elisa!
Auf meinem (weil deutsche Mamas sich ja mit der Preisgabe des Namens vor der Geburt schwer tun): It’s a boy!
Im Übrigen verkünden sie hier bereits ihre Schwangerschaften in der 5.-6. Woche!! Und das gern mal über den bereits hier erwähnten beliebten Handy-Kanal. Wenn sich die Schwangerschaft dann leider nicht weiterentwickelt natürlich auch…

Und der 2. Unterschied war: „Mama von Elisa“ wusste schon den Geburtstermin, da es (claro que sí?) ein geplanter Kaiserschnitt werden sollte.
Daraufhin wurde ich nach meinem (genauen) Termin gefragt.
Nun, das konnte ich natürlich nicht beantworten und die anderen Mamas schauten sich fragend an. Wie kann denn sowas möglich sein…??

Da sagte “Mama von Elisa”: Va a ser natural!! Auch ohne Spanischkenntnisse kann man das verstehen, oder!?
Leute… mir wurde beinah Angst und Bange als ich in die entgleisenden Gesichtszüge der anderen Mamas blickte. Der Schock stand ihnen regelrecht ins Gesicht geschrieben. Wenn es die erste Schwangerschaft für mich gewesen wäre, ich hätte mir das ganze bestimmt noch mal überlegt. (Ach ja, by the way… Hebammen im klassischen Sinn gibt es hier nicht!)

Nummer 5
Da wir hier auf über 2.000 m Höhe leben, hatte ich extrem mit Kurzatmigkeit zu tun. Meine 84 Jahre alte Oma meinte neulich am Telefon: Altwerden ist nichts für Feiglinge. Also wenn mich das hinsichtlich Kurzatmigkeit im Alter nochmals so trifft, kann ich bereits jetzt nachvollziehen, was sie damit meint…

Zudem machte mir das Zika-Virus bzw. mein Arzt, der das ganze sehr Ernst nahm, das Leben schwer. Ich durfte daher die luftige Höhe Pueblas und Mexiko-Stadts nicht verlassen, um vielleicht mal ans Meer zu fahren, weil sich hier oben angeblich die Mücken, welche das Virus übertragen, nicht so furchtbar wohlfühlen würden. Nicht so ideal, zumal meine Eltern den weiten Weg aus Deutschland auf sich nahmen, um uns zu besuchen und ich ihnen gern mehr vom Land gezeigt hätte.

Zusätzlich wurde ich durch einen langen kalten Winter in Mexiko gebeutelt, der dazu führte, dass die Grippe heftigst um sich griff. Vor allem in der Schule gab es viele Fälle. Als wäre das noch nicht genug, gab es vermehrt Schweinegrippe-Fälle. Auch direkt im Freundeskreis der Kinder.
Ich wurde dann bedrängt mich impfen zu lassen, worauf ich in der Schwangerschaft nun mal überhaupt keine Lust hatte. Also blieb ich mit den Kindern für ganze 2 Wochen einfach mal präventiv zu Hause, als es gerade besonders schlimm um uns rum wurde mit den Krankheiten.

DAS war, ehrlich gesagt, keine sehr schöne Zeit, denn die Kinder (ja vollkommen gesund!!) strotzten nur so vor Energie und wussten nicht wohin damit!
Zu guter Letzt hielt dann noch die Trockenzeit ungewöhnlich lange an und die Nächte waren dadurch in dem Frühjahr unglaublich heiß – gepaart mit einem sehr aktiven Vulkan vor der Haustür, fühlte ich mich luft- und staubmäßig dann mal eben an unsere Pekinger Tage erinnert.

Aber dann! Alles hat bekanntermaßen ein Ende und endlich war es soweit!

Während sich der kleine Mexikaner einen Tag nach errechnetem Geburtstermin auf die Reise machte, braute sich über Puebla außerdem das langersehnte erste richtige Regenzeit-Gewitter der Saison zusammen…

Fortsetzung folgt.

Eure Buntlocke

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