Wenn der Gasmann zweimal klingelt

Da sind sie nun also wieder vorbei! Gute drei Wochen Heimaturlaub in Deutschland mit Schwedenhaus zum Anfassen, Erledigen von unzähligen Dingen, Genießen von deutscher Lebensqualität und natürlich der Familie… – und mit letzterem meine ich selbstverständlich auch, die Wohltat, mal eben drei Kinder der Oma auf’s Auge zu drücken!!!

Zurück im Land des ewigen Sonnenscheins nehmen wir uns vor, dass wir unser letztes Jahr hier noch richtig genießen wollen. Ich meine… wir sind in Mexiko! Wann kommt man hier schon mal wieder hin?! Und nach knapp 7,5 Jahren wird unsere Zeit “weit, weit wech von Zuhause” im kommenden Sommer endgültig enden!

Jetzt, wo unser Holztraum in Deutschland steht und geduldig auf uns wartet. Wo hoffentlich nicht mehr all zu viele schwierige Dinge zu entscheiden und aus der Ferne zu organisieren sind – lassen wir es doch mal entspannt mexikanisch angehen!

Und dann ganz plötzlich… Zack! Ist man wieder mitten im mexikanischen Alltag angekommen, der einen denken lässt: …wie wäre das wohl jetzt in Germanski gelaufen!?

Nur eine Episode von neulich:

Wir stehen an einem Ferienmorgen pünktlich auf! Ich mache mich und die Ableger startklar, die Vermieterin kommt und holt ihre Miete per Scheck ab (no further questions!) und wir “düsen” zur Schule/Kindergarten…
[Definition “Düsen”: Mindestens eine halbe Stunde in einem unheimlich dicken Stau stehen wegen einer neuen und gefühlten viertausendeinhundertzweiundsechzigsten Baustelle. Aus drei regulären Spuren und einem schmalen Standstreifen werden mal eben fünf, PKWs legen sich mit Betonmischern an, Busse wechseln die Fahrspur als wären sie Kleinwagen. Wer Platzangst und schwache Nerven hat, ist hier mal sehr fehl am Platz!]

Aber was wollte ich eigentlich berichten… Achja!

Wir begeben uns also zur Schule, um im Vorfeld die Schulmaterialien zu besorgen und die Schülerausweise und die Schülerabholkarten und die Buskarten für den Schultransport. Dafür steuert man hier drei verschiedene Büros an, claro que sí, und eigentlich hätte ich in der Woche zuvor auch noch die Schuluniformen besorgen müssen. Das hab’ ich mir aber mal gespart, wegen is’ nich… (Nebenbei hab ich gerade erfahren, dass die Uniformen ohnehin ausverkauft seien, also mal wieder die richtige Intuition gehabt! Oder spricht da etwa die Auslandserfahrung aus mir??)

Aber was wollte ich eigentlich berichten… Achja!

Wir kommen also da an und treffen prompt mal einen Schulkumpel meines Ältesten (die sind nämlich sonst gerade alle im Urlaub, was Ferien in Mexiko, noch dazu ohne Großeltern, etwas in die Länge zieht…). Nach Erledigung der ganzen Laufwege entscheiden wir uns also spontan, den Rest des Nachmittags zusammen zu verbringen…

So wird es Abend bis wir wieder zu Hause anlanden: Drei müde kleine Krieger und eine Mutter, die müde ist wie drei große Krieger!
Alle werden unter die Dusche gescheucht bzw. die Babywanne für den Kleinsten eingelassen.

Randnotiz: Eine große Badewanne haben wir hier leider nicht und das Befüllen der 2 quadratischen aufblasbaren Planschbecken, die genau nebeneinander in die Kinderdusche passen und in der sich der Große gern die Knie an den Ohren stößt, ist in etwa so erquicklich, wie der Roman “100 Jahre Einsamkeit” kurzweilige Lesestunden verspricht. 

Bis der Mutter irgendwann auffällt, dass die Heizung im Bad gar nicht funktioniert. [Definition Heizung im Bad: Langes Laufenlassen des Wassers, welches, wenn es endlich heiß genug ist und den Aggregatzustand ändert – also zu Wasserdampf wird -, den winzigen Raum aufheizt.]  

Die Umweltschützer und Wassersparer unter Euch mögen ruhig mit Steinen nach mir werfen. Normalerweise würde ich in der ersten Reihe mitwirken, aber sorry… Wir leben in Mexiko! Hier geht’s ums Überleben! Schließlich wird es hier im Winter auch mal in der Nacht bis zu 0 Grad Celsius und das sogenannte Haus ist lediglich eine Betonhalle mit papierdünnen Wänden und pergamentdünnen Fenstern! Heizungen in allen Räumen aufzustellen, ist genauso wirksam, wie der Versuch, mit einem Fön einen Eisberg zum Schmelzen zu bringen… Aber Wasserdampf funktioniert super (schnell) im Bad.

Aber was wollte ich eigentlich berichten… Achja!

Die “Heizung” geht nicht! Sprich, es kommt kein heißes Wasser!

Klasse! Wo doch der Jüngste bereits total verrückt wird, sobald er nur die Wanne von Weitem sieht! Also mache ich mich an das spannende Konstrukt “Gasboiler” draußen in einem kleinem Kabuff. Gaaaanz vorsichtig! Denn ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass sich bereits einige Teilzeit-Mexikaner (wie wir es sind), schwere Verbrennungen zugezogen haben, bei dem Versuch an dem Teil herumzudoktern. 

Ich hasse Gas! Da denke ich gleich an eine andere “schöne” Begebenheit, als das Gas bei selbigem Boiler ausströmte, weil durch einen Windzug die Flamme ausgegangen war. (Häschdäg:WasisteineSicherheitsabschaltung)
Die Sicherheitsleute von der Wache am Eingang unseres Wohngebiets klingelten hektisch bei mir, die mexikanische Feuerwehr bzw. der Zivilschutz rückte an und die Polizei wollte meine Personalien aufnehmen.
– Hab ich von dem Anlass gar kein Foto gemacht…??? Kooooooomisch!!

Aber was wollte ich eigentlich berichten… Achja! 

Zwischenzeitlich bekomme ich Gesellschaft und die mexikanischen Nachbarn, der irgendwann heimkommende Göga, drei nacksche Kinder und ich gucken dumm aus der Wäsche und wissen nicht woran es liegt… Bis dann die Mutter (also ich) denkt, dann kocht sie halt erst mal’n Abendbrei, damit der kleine Mexikaner bei Laune gehalten wird! Und…
– der (Gas-)Herd geht nicht!

Gas alle!

Aber die “Uhr” sagt, dass noch 25% im Tank sind…
Ja, aber…
Gas is’ alle!

Und dann (in dem Land, in dem eigentlich alles und jederzeit geliefert wird) heißt es: Zu spät für Gaslieferung!

Ummmmmm! Da war er wieder! Der berühmte im Ausland weiterkultivierte Marge Simpson-Sound! Jau! Den kann se gut!

Aaaaber! Es geschehen auch im Ausland noch Zeichen und Wunder und der Expat-Gott meint es manchmal gut mit einem! 

Der Gasmann kommt!!

Der Gasmann kommt und macht seinen Tank leer und unseren leider nicht ganz voll. Aber für Duschen und Abendbrei kochen soll es reichen!

Alle gehen ins Bett und sind – ungeduscht, weil schon so spät – aber happy!

Ende… – Nicht!

Der Gasmann will morgen gleich um 8 Uhr kommen und den Tank dann richtig voll machen, teilt mir der Göga mit!

Da ja immer noch (und bereits seit knapp 8!) Wochen Ferien sind, bin ich geschockt: Wie? Um 8 Uhr? Um diese Zeit sind wir noch nicht mal aufgestanden!
Und: Wir sind doch in Mexiko! (Die Geschäfte machen schließlich erst um 11 Uhr auf… schwer vorstellbar, dass ein Gasmann da um diese Zeit schon unterwegs sein soll.)

Also steht sie früh auf! Um Punkt 8 Uhr ist sie gestriegelt und gebürstet!
Der Gasmann kann kommen!

Die Stunden vergehen… das jüngste Kind ist hungrig und tut dies quakig kund, Muttern kocht das Mittagessen mal wieder zu langsam und überdies hat er dann auch noch die Hose voll – während die zwei anderen gerade wieder dem Freisetzen überschüssiger Energie (die sonst ja Schule und Kindergarten abfangen) frönen.

Der Gestriegelten und Gebürsteten stehen schon lange die Haare in alle Richtungen! Und dann! Das Telefon klingelt und die Wache teilt mir freundlich mit: Der Gasmann ist da!

(Das Gesicht und die Augenroll-Akrobatik der Verfasserin dieses Blogposts, darf sich jetzt jeder selbst vorstellen.)

Also! Der Gasmann ist da!

Er macht den Tank riiiiiichtig voll! Und dann bekomm’ ich die Rechnung.

Umgerechnet knappe 10 Euro! Was übersetzt heißt: ein winziger Schluck hat nur gefehlt, um unseren Tank voll zu machen!


Yes! Leben im Ausland hat mir wieder ein silbernes Haar mehr beschert!

Wie viele noch folgen werden?! Das kann man nicht genau sagen, aber es werden wohl noch einige sein!

Und das ist so sicher wie die Steuer in Deutschland.

Bunte Grüße aus Mexiko!

Eure Buntlockeツ

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: