Woran Du erkennst, dass Du in Mexiko lebst…

“2 Jahre in Mexiko…”
“2 Jahre!??” 
“Hm! Zwei…”
“Und davor fast drei in China?!”
“Jep! Davor fast drei Jahre in China… Und dazwischen eins in Bayern.”
“Wirklich! Bayern auch noch… Und dann? Was kommt als nächstes??”

“Zuhause!!”

Immer mal wieder, im Alltag zwischen Freud und Leid im Ausland, frage ich mich auch ab und zu, ob ich das alles noch mal genau so machen würde.
Es war und ist nicht immer einfach, völlig auf sich allein gestellt zu sein, der Alltag ist um einiges komplizierter als in Deutschland (vor allem mit kleinen Kindern) und es gibt Tage, an denen hat man auch einfach keine Lust mehr.

Aber im Nachhinein betrachtet, würden wir sicher diesen Weg noch einmal gehen. Immerhin haben uns diese Jahre im Ausland – dieser Lebensweg – zu dem gemacht, was wir heute sind und uns das ermöglicht, was wir heute haben.
Das Beste davon: drei Kinder, geboren in unterschiedlichen Ländern. 

Egal wo oder wie man lebt, es gibt überall Vor- und Nachteile, Licht und Schatten. Wir sehen jetzt viele Dinge mit ganz anderen Augen. Wir wissen einiges mehr zu schätzen und empfinden vieles nicht mehr so schlimm wie andere.
“Über den Rand schauen” tut in vielerlei Hinsicht gut und nicht zuletzt… Was einen nicht umbringt, man einen nur stärker.

China war ein Kapitel für sich. Allein das Luft-Disaster… Aber es gab auch viel zu sehen und zu entdecken – besonders auch Menschen, deren Wege sich mit den unseren nie gekreuzt hätten.

Bayern war schön! Quasi ein bisschen Zuhause, nur anders – denn für den Norddeutschen ist das Land mit dem weiß-blauen Himmel ja auch irgendwie ein bisschen wie Ausland. Hehe.. Aber ein sehr sympathisches!!

Puebla, Altstadt

Und dann Mexiko. Das Hier und Jetzt. Unsere letzte Station.
Das Land der Farben. Es gibt so viel Schönheit, aber es hinkt auch gewaltig hier und da. 
Als wir Anfang 2015 erneut unsere sieben(hundertfünfzigtausend) Sachen packten und nach Mexiko flogen, kamen uns die 3,5 Jahre plötzlich doch recht lang vor. Aber immerhin, die Sonne scheint so gut wie jeden Tag, die Luft ist um einiges besser im Gegensatz zu China und wir hatten sprachtechnisch schon eine Basis, welche sich auch allemal schneller ausbauen ließ. 

Nun, 2 Jahre später, gab es schon die ersten Abschiede. Viele haben ihre Sachen zusammengerafft und sind wieder zurück nach Deutschland gezogen. Und obwohl wir noch knapp 1,5 Jahre vor uns haben, fühle ich schon ein ganz kleines bisschen Aufbruchstimmung.

Die Tage sind langsam aber sicher gezählt. Nun liegt mehr Zeit hinter als vor uns! Nun werden wir bald wieder ein Haus in Deutschland haben, welches wir als Zuhause bezeichnen können. (Da kam doch neulich schon ein Brief vom Bezirksschornsteinfeger, der sich vorstellte, dabei ist da immer noch nur grüne Wiese mit Nichts. Aber ein Zeichen! Es tut sich was!)
Dann ist da diese Kiste mit Vorräten aus Deutschland. Cremes, Zahnpasta etc. Sie leert sich langsam. Und so sind es viele kleine Dinge, die zusammenkommen und mir Signale geben…: Nicht mehr lang! 

Und wir versuchen noch zu genießen. Das mitzunehmen, was wir können. Das Beste aus der verbleibenden Zeit in Mexiko zu machen. Auch wenn es nicht immer leicht ist. Auf jeden Fall aber, ist es nie langweilig…

Popocatépetl 

Mexiko-Stadt 

Und was ist das so, was mexikanisches Leben ausmacht?
15 Punkte an denen Ihr erkennt, dass Ihr im mexikanischen Ausland lebt:

Eins:
Mañana (morgen) ist ein unheimlich dehnbarer Begriff.

Zwei:
Zum Frühstück gibt’s Quesadillas (Tortillas mit Käse).

Drei:
Die Kinder antworten Dir auf Bitten, Anweisungen (und Befehle?) mit: “¡No!” 
(Auf das obligatorische “mañana,mañana” warte ich noch.)

Vier:
Mittagessen wird gegen 15 Uhr eingenommen.

Fünf:
Beim Autofahren wirst Du eins mit der Hupe, überholst von rechts und wenn Du eine Tequila-Flasche dabei hättest, würdest Du sie mindestens 3 mal
täglich einem mexikanischen Mit-Autofahrer an den Kopf werfen. 
(Statt dessen gibst Du Dich mit Fluchen in der Muttersprache zufrieden. Das kommt im Ausland immer gut. Du hast Deinem Ärger erstklassig Luft gemacht und keiner versteht Dich – kein schlechter Deal, wenn man nicht unbedingt in Schwierigkeiten geraten will.)

Sechs:
Du nennst dein Auto Pedro! (Nach dem Auto-Verkäufer… Claro que sí.)

Sieben:
Fremde Menschen – inkl. Männer – werden mit Wangenkuss begrüßt.

Acht:
In dem Outfit, mit dem du in Germanski zur Hochzeit gehst, holst du die Kinder von Kindergarten und Schule ab.

Neun:
Du besitzt zwischenzeitlich 3 Sombreros.

Zehn:
Ohne Sonnenbrille wird das Haus nicht verlassen.

Elf:
Tägliche Pümpelbenutzung ist obligatorisch. (Liebevoll “Amigo” genannt)

Zwölf:
Einen Apfel vor dem Verzehr nur an der Hose abzuwischen, bereust du nur wenige Stunden später. (Dafür erübrigt sich dann der Amigo…)

Dreizehn:
Deine Handtasche bekommt im Restaurant einen eigenen Ständer direkt neben Dir.

Vierzehn:
Zucker ist lebensnotwendig und daher in jedem käuflichen Produkt in der Lebensmittelabteilung wie auch Brot und Toast reichlich enthalten.
(Das Fass von den künstlichen Zusatzstoffen mach’ ich gar nicht erst auf…)

Fünfzehn:
Du sammelst Unmengen Kleingeld, da an jeder Ecke ein Einkäufeeinpacker, Einkaufswagenwegschieber, Parklückenrauswinker, Windschutzscheibenputzer und Ampelkunststückchenvorführer wartet und bezahlt werden möchte (mal von den Süßigkeiten-, Eis-, Handyladekabel-, Blumen-, elektrischen Fliegenklatschen- und was-Du-Dir-sonst-kaum-vorstellen-kannst-Verkäufern abgesehen).

Was denn, das waren schon fünfzehn?! Ich könnte noch ewig so weiter machen… 

Sechzehn:
Dein Handy überlegt, sich selbst per Kurzschluss das Leben zu nehmen, weil es die vielen WhatsApp-Gruppen/-Nachrichten nicht mehr ertragen kann.
Der Klassiker: 
Schreibt eine Mutter in der Kindergarten-WhatsApp-Gruppe mit 22 Teilnehmern: Mein Kind hat seine Jacke nicht mit nach Hause gebracht. Hat vielleicht eines Eurer Kinder sie mitgenommen?
Antworten 20 Mütter: Wir haben sie nicht!
Und eine (alias Buntlocke) antwortet…: Gar nichts!

Siebzehn:
Gleiches Thema, aber actually Abteilung hilfreich: Du belästigt Ärzte zu jeder Tages- und Nachtzeit per WhatsApp wegen irgendwelcher Zipperlein und… die antworten auch noch!!
Oder kommen bei (akutem Durchfall-)Bedarf mal eben zu Dir nach Hause.

Achtzehn:
Überall wo Du parkst, bietet ein Autowäscher seine Dienste an.
(Und wenn Du am Wochenende zwei Stunden mehr mit Deinem Göga haben möchtest, verschaffst Du dem Wäscher prompt mal eben ‘n Job, während Du einkaufen gehst und anschliessend natürlich wieder Kleingeld bereithälst.)

Neunzehn:
Nix da Service-Wüste! Jeder liefert alles nach Hause.
Erwartungshaltung und Realität können jedoch (stark) differieren.

Zwanzig:
Es gibt keinen Anlass, an dem nicht eine Piñata geschlagen werden muss! …!!! 
Außer dann, wenn zwei Piñatas geschlagen werden…

(…)
So, ich mach dann mal Schluss!
Zeit, sich mit Sonnenbrille, Sombrero und einem Glas frischen Saft in die Sonne zu setzen!

Eure Buntlocke

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2 Kommentare auf "Woran Du erkennst, dass Du in Mexiko lebst…"

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Josi
Gast

Hola Janine, ganz zufällig bin ich auf deinen Blog gestoßen und dann dachte ich mir irgendwann, das klingt doch wie Janine aus der Freitagskrabbelgruppe für die ganz Kleinen 😉 schönen Blog hast du 😍

Punkt 8 und 13 sind definitiv meine Highlights, obwohl ich dir wirklich bei allem zustimmen kann 🙌🏼👍🏻

Ich habe auch vor kurzen angefangen zu bloggen, aber das steckt noch in Kinderfüßen. Kann ich dir irgendwie mit WordPress-feed folgen?

Besitos (a la punkt 7)
Josi